Two sides.

In „Two sides of a story“ wird ein Bild von zwei Personen gestickt, um die verbale und nonverbale Kommunikation zwischen zwei Menschen darzustellen. Der leichte Stoff symbolisiert einen Filter, der aufgrund der jeweiligen Perspektive immer zwischen Menschen besteht. Wie wichtig ist eine klare Kommunikation, um etwas erkennbares zu schaffen, oder bleibt das Verständnis des Bildes nur den Menschen vorbehalten, die es erlebt haben?

TWO SIDES

In Two Sides of a Story macht das Gespräch selbst den ersten Stich. Zwei Personen sitzen sich gegenüber, nehmen Platz wie an einem improvisierten Webstuhl, und beginnen mit einem Faden, der die Worte begleitet. Die Nadel wandert zwischen ihnen hin und her, durchstößt den transparenten Stoff wie Gedanken die Schicht unserer Wahrnehmung. Jeder neue Faden, jede Unterbrechung, jede Pause markiert einen Wechsel im Ton oder im Thema – eine farbige Setzung, die anzeigt, wo sich das Gespräch geöffnet, gebrochen oder neu zusammengesetzt hat.

Das entstehende Bild ist kein Abbild der gesprochenen Inhalte, sondern ein intuitives Protokoll ihrer Bewegung. Die Linien folgen keinem vorgegebenen Muster; sie zeichnen die Wege der Sprache nach, kreuzen sich, ordnen sich neu, überlagern sich und laufen auseinander. Für Außenstehende bleibt die Lesbarkeit dieser Stickerei ungewiss – so wie ein Gespräch immer mehrdeutig bleibt, abhängig von Blickwinkeln, Erfahrungen und inneren Filtern. Der transparente Stoff verweist auf diese Durchlässigkeit: auf die feinen Schichten von Sozialisation, Stimmung und Lebensumständen, die unsere Wahrnehmung der anderen Person färben.

Indem das Werk die Struktur des Gesprächs sichtbar macht, legt es zugleich dessen Fragilität offen. Missverständnisse, stille Abzweigungen und Annäherungen schreiben sich in die Oberfläche ein. Die Stickerei wird so zu einer kartografischen Spurensuche: einem Bild, das weniger erklärt als bezeugt.

Wenn die Seiten am Ende umgedreht werden, blickt man auf die Rückseite – ein zweiter, oft rauerer und überraschenderer Ausdruck desselben Dialogs. Wie in jedem Gespräch existieren mehrere Wahrheiten nebeneinander, und erst ihre Gegenüberstellung lässt erahnen, wie komplex die Kommunikation zwischen zwei Menschen ist.

Two Sides of a Story ist damit eine Einladung, die Materialität des Dialogs neu zu betrachten – als Prozess, der Verbindungen schafft, Räume öffnet und zugleich Spuren hinterlässt, die sich nie vollständig entschlüsseln lassen.

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Krisel Kollektiv